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Ein Platz zum Träumen: Place Stanislas

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„Platz Stanislaus – das klingt aber nicht sehr französisch!?!“

Ich kann diesen Einwand vom kleinen Entdecker sehr gut nachvollziehen. Und weil wir natürlich unbedingt wissen wollen, wieso dieser wunderschöne Platz mitten im französischen Nancy so einen unfranzösischen Namen trägt, haben wir uns erst einmal auf Spurensuche im Netz begeben!

Nach zehn Minuten wissen wir mehr: Stanislaw I. Leszczyński war einst polnischer König. Sogar mehrfach.

Und insgesamt eine ziemlich tragische Gestalt ...
 
Aber der Reihe nach: 1705 mit Unterstützung Karls XII. zum polnischen König gekrönt, wurde Stanislaw I. Leszczyński vier Jahre später von August II. verdrängt und war gezwungen, ins Exil zu flüchten. 1733 konnte er die Krone zwar noch einmal zurückerobern – diesmal währte seine Regierungszeit allerdings nur ein Jahr.

Zum Glück war seine Tochter Maria Leszczyńska inzwischen die Ehe mit dem französischen König Ludwig XV. eingegangen. Dieses verwandtschaftliche „Vitamin B“ brachte Stanislas (so die französische Version seines Namens) zumindest die Herzogtümer Lothringen und Bar ein.

Aha! Jetzt wissen wir schon einmal, wie Stanislas in die Hauptstadt des französischen Herzogtums Lothringen kam!

Fast 30 Jahre lang wirkte der ehemalige König von Polen in Lothringen. Dann bereitete ein weiterer Schicksalsschlag seinem Leben ein Ende: 1766 erlitt er bei einem Sturz in einen Kamin so schwere Verbrennungen, dass er kurz darauf verstarb.

 
Zurück ließ „Stanislas der Wohltäter“, wie er genannt wird, nicht nur eine turbulente Lebensgeschichte – sondern auch zahlreiche Bauten.

Neben den Schlössern von Commercy und Lunéville prägte der Kunst- und Architekturliebhaber vor allem die Stadt Nancy. Die drei Plätze im Zentrum – Place de la Carrière, Place d’Alliance und Place Stanislas – sind derartig harmonische Ensembles, dass sie 1983 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen wurden. Der Place Stanislas, der seit 2005 allein den Fußgängern gehört, zählt sogar zu den schönsten Plätzen der Welt.

Das ist übertrieben?

Aber keineswegs!

Das haben wir am eigenen Leib erfahren, als wir uns während unserer Hausboot-Tour vom Hafen von Nancy aus in das Stadtzentrum aufmachten. Schon auf dem Weg dorthin stießen wir auf immer immer eleganter werdende Straßenzüge. Eine letzte Biegung – und plötzlich tat sich die ganze Pracht hinter den kunstvoll geschmiedeten, vergoldeten Toren auf.

Was für ein „Wow-Effekt“! Kein Wunder, dass die Touristen sich regelmäßig über den Haufen rennen, bei dem Versuch, Panoramaaufnahmen zu machen. Die perfekte Symmetrie und die Eleganz der Gebäude sind einfach bestechend!

Und in der Mitte steht er dann auch und wacht über seinen Platz: Stanislas.
Natürlich wollten wir noch ein bisschen mehr wissen zur Entstehung und haben weiter geforscht.

Als Architekt Emmanuel Héré hier 1752 mit den Bauarbeiten begann, hatte er die Herausforderung zu meistern, Altstadt und Neustadt mit dem Platz so zu verbinden, dass ein harmonischer Übergang entsteht. Mittelpunkt sollte ein Standbild des Königs von Frankreich, Schwiegersohn von Stanislas, bilden. Ludwig XV. war auch Namensgeber: Ursprünglich hieß der Platz nämlich „Place Royale“.

Während der Französischen Revolution musste die gusseiserne Königsstatue allerdings weichen. 1831 wurde stattdessen eine Statue von Stanislas errichtet; seitdem heißt der Platz „Place Stanislas“. Eingerahmt wird er vom prächtigen Rathaus im Süden mit vier daran angrenzenden gleich hohen Pavillons im Osten und im Westen. Gegenüber plante Héré eingeschossige Gebäude, um die Bahn für die Kanonen auf der Festungsmauer nicht zu verbauen. Auch der Architekt ist nicht in Vergessenheit geraten. Eine Straße führt zum Triumphbogen, der ihm zu Ehren den Namen „Arc Héré“ trägt, und weiter zur Place Carrière. Der französische König Ludwig XV. hingegen ist nur noch im Medaillon des „Arc Héré“ zu sehen.

Rendez-vous in Ton und Licht

Von einem der vielen Cafés und Restaurants aus ließen wir den Platz auf uns wirken. Das Grand Hôtel, die Oper von Nancy und Lothringen, das Musée des Beaux-Arts, aber auch die schmiedeeisernen Gitter von Jean Lamour sowie die Amphitrite- und Neptunbrunnen im Rokokostil: Alles für sich betrachtet schon wunderschön – aber im Ensemble ein Hochgenuss!

Wie gut, dass wir darüber ganz die Zeit vergaßen, denn als um 22.45 Uhr die Lichter aus- und der Ton angingen, kamen wir noch in den Genuss eines ganz besonderen Schauspiels: Der „Place Stanislas“ schmückt sich von Juni bis September nämlich jeden Abend unter dem Motto „Rendez-vous place Stanislas“ mit einer grandiosen Videoprojektion, die die Gesellschaft „Spectaculaires – Allumeurs d’images“ entworfen hat.

Auf der Fassade des Rathauses erschien vor unseren Augen – Stanislas persönlich. Anlässlich seines 250. Todestages nahm er uns mit in seine Welt und zauberte dafür Worte aus Licht hervor: „J'ai fait un rêve – ich hatte einen Traum.“

Wirklich zum Träumen, seht selbst …

J'ai fait un rêve.


Nancy_Bergamotte_640

Entdecker-Tipp

Klar lassen wir Euch auch diesmal nicht ohne Entdecker-Tipp nach Nancy fahren! Spezialität der Region sind Bergamotte-Früchte. Deren Aroma wird zum Beispiel in Bonbons oder Meringues verarbeitet. Einfach mal probieren!

Entdecker-§§§

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11 Kommentare

  1. Maike sagt:

    Wow, der Platz alleine sieht schon unglaublich schön aus, aber die Projektionsshow toppt das Ganze noch. Ich habe mal etwas ähnliches in Barcelona während des La Merce Festes gesehen und war auch total begeistert.

    • Ines-Bianca sagt:

      Wir hatten das in dieser Perfektion zum ersten Mal im vergangenen Jahr in Edinburgh. Vorher war mir gar nicht bewusst, was da technisch mittlerweile alles möglich ist! Was für ein Erlebnis!

  2. Sebastian sagt:

    Hi Ines-Bianca, danke für diesen interessanten geschichtlichen Einblick! Nancy habe ich bislang noch nicht besucht und die Stadt war mir nur aufgrund ihres Namens bekannt. Sie sieht wirklich toll aus und sollte ich mal dorthin reisen, werde ich wohl immer an den in einen Kamin gefallenen Stanislas denken müssen 😉
    Viele Grüße und weiterhin ein frohes Reisen
    Sebastian von Japsolut on Tour

    • Ines-Bianca sagt:

      Ist das nicht schrecklich?!? Ich habe auch dreimal hingeschaut bei der Geschichte! Was für ein tragisches Ende! Aber Nancy hat mich wirklich komplett in seinen Bann gezogen. Ich glaube, wir haben fast zwölf Stunden auf diesem Platz gehangen!

  3. Das ist ja ein super Platz und ganz tolle Fotos. Wie bekommt Ihr den die Panoramaaufnahmen so gut hin? Nancy stand eh schon auf meiner Liste, jetzt habe ich aber noch mehr Lust dazu. Danke Dir, ich mag Deine Art zu erzählen sehr. Wir sind auch viel in Frankreich und Europa unterwegs, aber so einen Platz habe ich noch nicht gesehen. LG Katja

    • Ines-Bianca sagt:

      Ja, fahr‘ bitte unbedingt hin! Wir hatten wirklich nur gehört, dass es „ganz schön“ sein soll – aber damit hätten wir nie gerechnet!!!
      Bitte verrate es nicht weiter ……. aber bei den Fotos nehmen wir wirklich nur das iPhone! Mein ein Jahre altes iPhoneX und ein altes 6s. Da ich das Fotografie-Thema immer nur nebenbei hab‘ laufen lassen und keine tiefergehende Ahnung habe, lohnt sich eine spektakuläre Ausrüstung samt Stativ womöglich für mich einfach nicht. Ich hab‘ immer alles, was ich brauche, in der Hosentasche! Das neue iPhone hat eine unglaublich gut ausgereifte Panorama-Funktion, auch die Porträt-Bilder sind durchweg gut brauchbar. Und bei diesem Blog-Theme sind die Panorama-Aufnahmen einfach perfekte Aufsetzer und Trenner im Layout …
      Insofern gebührt Dein Lob wahrscheinlich eher Apple? Und ich muss den Kommentar hier jetzt als „Werbung“ kennzeichnen? :-)))

  4. Sehr schöner Blogartikel, der Platz sieht wirklich toll aus und die Bilder sind klasse. In Frankreich waren wir bis jetzt noch nicht so viel unterwegs aber werden wir sicher einmal nachholen. LG Steffen

    • Ines-Bianca sagt:

      Ein Dankeschön Euch für die Komplimente!
      Ich habe Frankreich auch lange „links liegen lassen“ – vielleicht, weil ich bei meiner ersten Paris-Fahrt schier erschüttert war von der Unfreundlichkeit und Hektik, die ich dort erlebt habe? Aber der Rest Frankreichs ist ganz anders, vor allem die ländlichen Regionen. Inzwischen bin ich ein Fan!

  5. Sabine sagt:

    Hallo Ines-Bianca.
    der Platz sieht ja mega cool aus. Uns schön, dass Du uns den geschichtlichen Hintergrund erklärt hast.
    Sicherlich ein Ort, der von nun an auch auf meiner Bucket-Liste steht.
    Sehr schöne Bilder.
    Ganz liebe Grüße
    Sabine
    von http://www.moosbrugger-climbing.com

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Sabine,
      das freut mich total, wenn ich Dich damit inspirieren konnte! Von Dir und Deiner Bergwelt habe ich ja auch schon wunderschöne Eindrücke mitgenommen! 🙂 Ich hoffe, wir sehen und lesen noch viel voneinander … wenn ich einmal hilflos in irgendeiner Felsspalte hänge, melde ich mich umgehend! 🙂
      Ines-Bianca

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