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Kanonendonner am Öresund

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Hatte William Shakespeare diese goldenen Turmspitzen vor Augen, als er um 1600 seinen „Hamlet“ schrieb?


Kannte er die Flaggenbastion vor dem Schloss, auf der er nachts den Geist von Hamlets Vater erscheinen lässt?


Oder den Tanzsaal, in dem sich Hamlet und Laertes im letzten Akt des Dramas duellieren?


Die Antwort lautet: „Jein.“


„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.”

Denn tatsächlich wurde nie geklärt, ob Shakespeare einmal persönlich zu Gast auf Schloss Kronborg im dänischen Helsingør war. Wahrscheinlich nicht. Aber woher wusste der englische Dichter dann so viele Einzelheiten über den prächtigen Renaissance-Bau am Öresund und das Leben am Hofe Friedrich des Zweiten?

Ein wichtiger Fakt ist: Dänemark war zu jener Zeit das mächtigste Königreich weit und breit.

An der Nordostspitze der dänischen Insel Seeland lag strategisch günstig die Stadt Helsingør mit der Festung, die damals noch Burg Krigen hieß. Hier – an der schmalsten Stelle des Öresunds – mussten alle Handelsschiffe hindurch, die zwischen Ostsee und Westeuropa pendelten. Wehe, ein verwegener Kapitän wollte es wagen, den Zollposten zu passieren, ohne für seine Ladung mit einem englischen „Rosenobel“ zu bezahlen, dessen Wert ungefähr einem Ochsen entsprach. Prompt erhielt er als Antwort auf sein freches Unterfangen Warnschüsse aus dröhnenden Kanonen. Zwischen 1497 und 1857 brachten rund 1,8 Millionen Schiffe auf diese Weise 86 Millionen Reichstaler auf.

Die Stadt Helsingør und das Schloss Kronborg profitierten von der strategisch günstigen Lage am Öresund. Die Zölle der vorbeifahrenden Schiffe machten König und Stadt reich.

Schloss Kronborg ist ein regelrechter "Wallfahrtsort" für Shakespeare-Fans. Ob der berühmte englische Dichter jemals hier gewesen ist, ist jedoch fraglich.

 

König Friedrich der Zweite führte ab 1577 zudem ein besonders raffiniertes System ein, um auf seine Kosten zu kommen:

Die Schiffsführer mussten den Wert ihrer Ladung selbst einschätzen und einen entsprechenden Zoll entrichten. Lagen sie zu niedrig, konnte der König Gebrauch von seinem Vorkaufsrecht für die Ware machen und diese zu einem niedrigen Satz erwerben. Lagen sie zu hoch, verdiente Friedrich trotzdem: an dem höheren Zoll.

So mag Seine Majestät manches Mal am Fenster gestanden und das geschäftige Treiben auf dem Sund mit fröhlicher Miene beobachtet haben. Denn die gut gefüllten königlichen Schatztruhen erlaubten ihm ein höfisches Leben, wie es einem Renaissancekönig gebührt.


Die Sache mit dem Kanonen-Toast

Friedrich der Zweite baute die mittelalterliche Burg zu einem prächtigen Schloss aus – Kronborg. Er schmückte es mit eleganten Giebeln und Fassaden, versammelte Künstler und geniale Denker wie den Astronomen Tycho Brahe um sich und feierte rauschende Feste. Das Brautkleid für seine Königin Sofie erregte damals ähnlich viel Aufsehen wie heute die Roben einer Kate oder Meghan. Es war aus karmesinrotem Samt genäht und die Haube mit 2704 Perlen besetzt. Als Sofie 1631 im Alter von 74 Jahren starb, war sie die reichste Frau Nordeuropas.

Ein weiterer Superlativ zeugt von der Pracht zu Hofe: Der Tanzsaal war mit 62 Metern Länge ebenfalls der größte in Nordeuropa. 24 Gänge erwarteten die Gäste bei den königlichen Festen auf der Tafel. Manche davon – wie ausgestopfte Pfauen – waren allerdings nicht zum Essen, sondern nur zum Anschauen gedacht.

Generell ging es an den Gala-Abenden pompös zu. Wenn der Monarch einen Toast ausbrachte, ertönten Pauken im Saal. Darauf antworteten die Trompeter auf dem Turm. Und diese Trompetenklänge wiederum gaben das Signal für einen ohrenbetäubenden Kanonensalut.

Shakespeare-Kenner wissen beim Stichwort „Kanonen-Toast“ natürlich sofort Bescheid.

Im „Hamlet“ lässt der englische Dichter König Claudius einen derartigen Toast auf die Hauptfigur des Stücks ausbringen.

Derlei Prunk sprach sich natürlich schnell herum. Womöglich waren es englische Schauspieler, die die Kunde von den prachtvollen Festen und Ritualen in ihre Heimat trugen und Shakespeare zu seiner tragischen Geschichte rund um den Dänenprinzen Hamlet inspirierten.

Heute ist Kronborg ein Pilgerort für Shakespeare-Fans aus aller Welt. Auf dem Schloss ist sogar ein eigenes Theater-Ensemble namens „Hamlet Scenen“ beheimatet, das jedes Jahr im August zu einem Shakespeare-Festival einlädt. Eine authentischere Bühne gibt es wohl selten …


 

Aber auch, wer mit Dichtung nichts am Hut hat, wird auf Kronborg fündig.

Die Festungsanlage umfasst vier große Bastionen und eine beeindruckende Wallanlage. In den unterirdischen Kasematten waren die Soldaten stationiert, wenn das Schloss belagert wurde. Hier findet sich heute eine weitere Attraktion: das steinerne Bildnis des Holger Danske. Der grimmige Krieger scheint zu schlafen – aber das täuscht. Laut Sage erwacht Holger Danske, sobald Dänemark in Gefahr ist und kämpft dann für die einst ruhmreiche Wikingernation. Schließlich geht es um nichts Geringeres als:

„To be or not to be!“


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Entdecker-Tipp

In Sichtweite zum Schloss gibt es eine weitere Attraktion, die sich kein Entdecker entgehen lassen sollte: das M/S Museet for Søfart, das Maritime Museum Dänemarks. In dem alten Trockendock zwischen Schloss Kronborg und der Kultur-Werft erfahren Besucher alles über die ruhmreiche Vergangenheit Dänemarks als Seefahrernation.

Entdecker-Info

Einen weiteren Entdecker-Bericht über Dänemark, nämlich das typisch dänische Lebensgefühl Hygge finden Reise-Fans im Online-Auftritt der Westfälischen Nachrichten.

Entdecker-Dank

Unser Entdecker-Dank geht an die Unternehmen VisitNordseeland, Urban Adventures, Wonderful Copenhagen, das Danish Architecture Center (DAC), das Happiness Research Institute und vor allem an den Ferienhaus-Anbieter NOVASOL, die diese Entdecker-Story im Rahmen einer gesponserten Pressereise ermöglicht haben.

2 Kommentare

  1. Beatrix Bohn sagt:

    Eine Super-Seite, die auch Lehrer inspirieren kann.

    • Ines-Bianca sagt:

      Danke für das tolle Kompliment! Ja, genau das wollen wir: inspirieren. Vor allem auch Schüler! Zum Lesen – und vielleicht ja auch dazu, selbst Content zu schaffen anstatt nur zu konsumieren, was das Netz so alles ins All pustet! 😉

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