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Cuxhavens Wahrzeichen: Die Kugelbake

Very British: Tea Time mit Entdecker-Scones
27. März 2019


Wir schreiben das Jahr 1740. Auf der Nordsee ist die stolze Fregatte „Gildewappen“ von dichtem Nebel umgeben und hat den Kurs verloren. Wird das Schiff auf Grund laufen?

In dieser Nacht ist die See spiegelglatt. Der Nebel, der sich schwer auf das Wasser gelegt hat, verschluckt jedes Geräusch. Kapitän Carl August von Trauchow schaut sorgenvoll auf die weiße, undurchdringliche Wand. Eigentlich ist es die Aufgabe seiner Fregatte, die schwer beladenen Schiffe der Hansestadt Hamburg vor muslimischen Korsaren zu schützen, die neuerdings sogar die Elbmündung unsicher machen. Doch nun hat seine „Gildewappen“ selbst ein Problem. Der dichte Nebel macht jede Orientierung zunichte. Wo genau befindet sich das Schiff gerade? Das Letzte, was der Kapitän jetzt gebrauchen kann, ist es, bei den tückischen Untiefen vor der Elbmündung auf Grund zu laufen.

 

Da ertönt ein erlösender Ruf aus dem Ausguck: „Bake voraus!“ Tatsächlich: Für einen Moment lang lichten sich die Schwaden – und im fahlen Schein des abnehmenden Mondes taucht eine markante Holzkonstruktion am Ufer auf. „Ein Glück!“, atmet Kapitän von Trauchow auf, „die Kugelbake!“ Jetzt weiß er genau, wo er sich befindet: nämlich am nördlichsten Punkt Niedersachsens auf Höhe Cuxhavens - direkt an der Einmündung zur Elbe.

 

Die erste Kugelbake entstand im Jahr 1729.

Ja, wir geben es zu: Kapitän, Fregatte und Jahreszahl sind frei erfunden – aber in den Grundzügen stimmt die Geschichte! Am nördlichsten Punkt Niedersachens pilgern tausende Besucher jährlich zur Kugelbake, dem Wahrzeichen Cuxhavens.

Heute erscheint uns ein derartiges Bauwerk eher unspektakulär – in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten hat es in der Schifffahrt aber wichtige Dienste geleistet. Eine Bake ist ein Seezeichen, das Schiffen bei der Orientierung helfen sollte. Anders als ein Leuchtturm kam es im Allgemeinen ohne Leuchtfeuer aus; zeitweilig ist aber laut Aufzeichnungen in einer so genannten "Leuchthütte" an der Bake tatsächlich ein Feuer entzündet worden.

 

Die Kugelbake, die wir heute in Cuxhaven sehen, ist bereits ein vielfacher Urenkel des eigentlichen Bauwerks.

Das ist Anfang des 18. Jahrhunderts auf Weisung des Hamburger Rates an der Elbmündung entstanden. Eine 85 Fuß hohe Bake (24,4 Meter) sollte den Handelsschiffen den "Eingang" zur Hansestadt über die Elbe weisen. Die Konstruktionszeichnung von 1729 zeigt: Damals hatte die Bake noch nicht die charakteristische Dreiecksform, sondern war eher ein Turm aus rechtwinklig verbauten Holzbalken.

 

Doch die Nordsee wehrte sich anfangs erbittert gegen die Kugelbake.

Immer wieder gingen die neu errichteten Konstruktionen in Sturmfluten unter. Der Rat der Stadt Hamburg reagierte und ordnete so genannte „Stackbauten“ an, die den Standort der Bake besser sichern sollten. Zeitweilig reichte auch das nicht. Während der Winterstürme von 1743 auf 1744 wurde die Verbindung zum Land unterbrochen, und die Bake war für fast 40 Jahre von Wasser umgeben. Erst 1782 entstand ein neuer Damm zum Festland. Das Bollwerk in seiner heutigen Form mit der hölzernen Kugelbake auf einer Granit-Plattform geht auf 1867 zurück.

Nachdem der Kampf gegen die Nordsee-Fluten gewonnen war, tauchten allerdings neue Probleme auf:

Zu Kriegszeiten wurde das für die Schifffahrt so wichtige Seezeichen zu einem gefährlichen Hinweisgeber für den Feind. Also musste sie während des Deutsch-Französischen Krieges sowie des Ersten Weltkrieges weichen. In der Zwischenzeit ersetzte ein Feuerschiff auf offener See die Bake. Erst 1924 wurde sie wieder aufgebaut und markiert seitdem einen der meistbefahrenen Schifffahrtswege der Welt. Ihre nautische Position: 53 Grad, 53 Minuten, 34 Sekunden nördlicher Breite und 8 Grad, 41 Minuten, 15 Sekunden östlicher Länge. Seit 2002 steht die Kugelbake sogar unter Denkmalschutz – und auch im Wappen der Stadt Cuxhaven findet sie sich wieder.


 
Und unser Kapitän Carl August von Trauchow?

Wir stellen uns gern vor, dass er in jener Nacht gerade noch rechtzeitig einer Gruppe von Handelskoggen mit wertvollen Gewürzen zur Hilfe kam, die von Piraten bedrängt wurden. Als Belobigung für seine tapferen Dienste erhielten er und seine wackere Mannschaft eine stattliche Belohnung.

Wer mag, der lasse sich an der Kugelbake mit Picknickdecke und einem Glühwein nieder und beobachte die Schiffe, die die Elbmündung passieren. Und wenn dann vielleicht ein wenig Nebel aufziehen sollte, dann schaut doch einmal genau hin, ob sie zwischen den Schwaden nicht plötzlich auftaucht, die „Gildewappen“, der die Kugelbake in unserer Entdeckerstory einst so wertvolle Dienste geleistet hat …


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Die Kugelbake markiert das Ziel des Weser-Radwegs. Aber auch der Elbe-Radweg führt hier entlang.
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10 Comments

  1. Liebe Ines,
    das ist ja mal eine wunderschöne Geschichte! Die Idee finde ich total gut, weil sie Historisches mit Wissenswertem so schön verbindet. Sollte ich mal in die Gegend kommen, werde ich unbedingt das von dir empfohlene Glühwein-Picknick probieren;-)
    Liebe Grüße

    Alex

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Alexandra,
      vielen Dank! Ich habe früher auch immer ein wenig geschmunzelt über die „Bretterbude“ – aber die Geschichte dahinter hat es mir am Ende dann doch angetan. Ist ja nicht umsonst das Wahrzeichend er Stadt! Wie gesagt: Für eine Fahrradtour eignet sich das Ziel auch sehr gut. Und von dort aus hat man einen tollen Blick auf die dicken Pötte, die Richtung Containerhafen schippern!
      Ganz liebe Grüße zurück!
      Ines-Bianca

  2. Hach liebe Ines,
    wieder hast du es geschafft und hast mich vom ersten Wort an gefesselt. Ich liebe deinen Schreibstil und wenn du dann auch noch so tolle Geschichten erfindest…
    Wie du weißt haben wir uns für nächstes Jahr die Nordsee vorgenommen. 🙂 Da kommen mir diese Beiträge für meine „Vor-Planung“ wie gerufen.
    Weiter so, ich freu mich schon auf deine nächsten Beiträge.
    Viele liebe Grüße
    Charnette

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Charnette!
      Wow, danke für das Kompliment!!! Wir wünschen uns ganz viele von solchen Fans!!!!! Wir stellen immer an uns selbst fest, dass Geschichten einfach besser funktionieren als die reine Info – und haben uns das zur Aufgabe gemacht, sie zu erzählen! 🙂
      Ich hoffe, Ihr werdet eine tolle Zeit an der Nordsee haben – bin gespannt, welche genaue Route am Ende herauskommt!
      Dicken Drücka nach Süddeutschland!
      Ines-Bianca

  3. Anne sagt:

    Liebe Ines-Bianca,

    auch wenn mein Besuch der Kugelbake weit in den 90er Jahren zurückliegt, hast du mir meinen ersten Besuch an der Nordsee mit deinem schön geschiebenen Artikel zurück ins Gedächnis gerufen.
    Deine Einleitung fesselt und jeder Leser kann sich in die Seefahrer der damaligen Zeit gut reinversetzen.

    LG
    Anne

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Anne,
      über Deine Worte freue ich mich sehr! Das ist genau das, was wir uns mit den Entdeckerstorys vorgestellt haben: den Leuten Orte, Menschen, Spezialitäten einer Region über Geschichten näher bringen! 🙂
      Gerade bei der Kugelbake funktioniert das gut: Wenn man von außen draufschaut, sieht man erstmal nur ein Holzgerüst. Und das in einer Zeit, wo jeder in Singapur, New York und Co. schon auf den höchsten Wolkenkratzern stand! Aber Kapitän Carl hatte vor 300 Jahren einfach noch einen anderen Stand im Leben! 🙂
      Danke und ganz liebe Grüße!
      Ines-Bianca

  4. Bruno sagt:

    Storytelling meets History. Wunderbar erzählt. Viel gelernt. Besser als jedes Geschichtsbuch. Macht weiter so und erzählz noch viele Entdeckerstories.
    Viele Grüße
    Bruno

    • Ines-Bianca sagt:

      Lieber Bruno!
      Vielen herzlichen Dank – und klar machen wir weiter! Wir haben genug Fantasie, um das halbe Internet mit Entdeckerstorys zuzuspammen! :-)))
      Ganz liebe Grüße – derzeit grad aus Belgien. 😉
      Ines-Bianca

  5. Barbara sagt:

    Hallo Ines-Bianca,
    die Geschichte am Anfang finde ich ja hammermäßig! Da hätte ich gerne den ganzen Roman davon gelesen oder wäre als Zeitreisender eine Zeitlang dabei gewesen! Heutzutage mit GPS usw. tun wir uns ja alle leichter…
    Ich war jetzt so motiviert und begeistert von Eurem Artikel, dass ich meine Cuxhaven-Fotos von 2014 rausgekramt habe. Leider gibt’s kein Foto der Kugelbake. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich sie gesehen habe. Das wird nachgeholt!
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Barbara,
      das ist natürlich ein echtes Versäumnis!!!
      Ich muss aber ehrlich gestehen, dass ich die Kugelbake auch jahrelang gar nicht richtig ernst genommen habe. Die sieht halt erstmal unscheinbar aus!
      Aber das ist das Gute am Storytelling: Man kann ganz nebenbei erzählen, was eigentlich das Besondere an so einem Ort ist. :-))
      Dir ganz liebe Grüße – und auf zur Kugelbake!!!
      Ines-Bianca

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