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Pechschwarze Attraktion: Der Asphaltsee von Trinidad

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Neil winkt mit dem Stock: „Nein, da bitte nicht langgehen!“

Hm, eigentlich sah der Untergrund an dieser Stelle nicht anders aus als der Pfad, auf dem wir gerade hergekommen sind. Aber der Guide kennt sein Terrain. Und tatsächlich: Als er im Boden stochert, quillt die schwarze zähflüssige Masse empor. Wer hier nicht aufpasst, steckt schnell in der Patsche – beziehungsweise im Asphalt.

Nein, wir besichtigen keine Straßenbaustelle, sondern einen See. Und zwar einen ganz besonderen: Der La Brea Pitch Lake ist der weltweit größte Asphalt-See. Im Süden der Insel Trinidad gelegen, wird er auch manchmal als die „hässlichste Touristenattraktion der Karibik“ bezeichnet.

 

Mit endlosen weißen Traumstränden und Cocktails unter Palmen hat dieses Ausflugsziel wirklich nichts gemein.

Bereits auf der Hinfahrt lernen die Besucher die ersten Eigenarten des Natur-Phänomens kennen: Weil das „Erdpech“, das in der Grenzzone zwischen Karibischer Platte und Südamerikanischer Platte an die Oberfläche dringt, für ständige Bewegung sorgt, steht so manches Haus am Wegrand schief. Und wo Menschen normalerweise Blumen-Rabatten anlegen, zieren hier Asphalt-Placken den Vorgarten.

Dazu der markante Geruch: Die Dauerbaustellen auf der A1 mit ihren kilometerlangen Staus lassen grüßen.

Tatsächlich landet der karibische Asphalt weltweit im Straßenbau. Der See ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Trinidad und Tobago. Rund zehn Millionen Tonnen des schwarzen „Goldes“ soll der 40 Hektar große See, der bis zu 100 Metern tief ist, fassen. Täglich werden rund 200 Tonnen Asphalt abgebaut, allein Deutschland verarbeitet im Jahr 6000 Tonnen im Straßenbau, zu einem großen Teil importiert aus der Karibik.

Nach aktuellen Schätzungen dürften die Reserven noch rund 100 Jahre reichen.

Schon Sir Walter Raleigh erkannte den Wert des Natur-Asphalts und dichtete damit seine Schiffsplanken ab.

 

Dann endet eine mehr als 500-jährige Abbautradition.

Schon kurz nach seiner Entdeckung im 16. Jahrhundert soll Sir Walter Raleigh den Naturasphalt benutzt haben, um seine Schiffsplanken abzudichten. Die Spanier errichteten später eine Raffinerie und transportieren das Baumaterial in ihre Heimat. Von ihnen stammt auch der Name der nahe gelegenen Ortschaft „La Brea“: „Das Pech“.

Parallel dazu zieht der See jährlich rund 20.000 Touristen an. Manche schwören auf die schwefelhaltigen Quellen, die sich am Rand bilden. Zehn Jahre jünger soll ein Bad Erholungssuchende machen. Ob die Prozedur wirklich gesund ist? An den Füßen fühlt sich das warme Wasser zumindest angenehm an.

Generell gilt: Da der schwankende Untergrund tückisch ist, sollten Besucher auf jeden Fall auf einen Guide zurückgreifen.

Ist denn schon einmal jemand versunken im Pitch Lake? Neil kennt diese Frage und hat direkt ein Foto zur Hand. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt einen bis zum Hals mit dem Erdpech bedeckten Mann: „Der hat ein wenig zu viel über den Durst getrunken und ist eingesunken“, bestätigt der Guide. „Er konnte aber rechtzeitig gerettet werden.“ Andere sollen weniger Glück gehabt haben.

Wir glauben es sofort, als sich das Loch, das Neil anfangs in den Boden gestochert hat, mit einem sanften „Blubbbb“ wieder schließt …


Entdecker-Info

Um den Pitch Lake rankt sich eine indianische Sage.
Nach dieser soll hier früher ein reiches Dorf mit fruchtbaren Obstbäumen gestanden haben. Als das reife Obst Vögel anlockte, jagten die Dorfbewohner diese – auch die als heilig geltenden Kolibris.
Dafür straften die Götter die Dorfbewohner: Über Nacht ließen sie das Dorf im Boden versinken und an dessen Stelle den Asphaltsee entstehen.
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Entdecker-Dank

Unser Entdecker-Dank geht an das Reiseunternehmen Meier's Weltreisen, das diese Entdecker-Story im Rahmen einer gesponserten Recherchereise ermöglicht hat.

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