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Nachts im Reichstag: Im Zentrum der Macht

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Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich begrüße Sie zur Entdecker-Schau - heute live aus dem Reichstag in Berlin!

Wer regelmäßig die Nachrichten aus Deutschland und aller Welt verfolgt, hat sicherlich schon auf den ersten Blick erkannt, wo wir uns diesmal herumtreiben: im Reichstag in Berlin. Oder besser gesagt: AUF dem Reichstagsgebäude. Weil ich später einmal selbst Architekt werden möchte, wollte ich unbedingt einmal sehen, wie Sir Norman Foster das eigentlich gemacht hat mit der Kuppel auf dem ehrwürdigen historischen Gebäude.

Als Tageszeit haben wir uns dafür den Abend ausgesucht.

„Hallo, mein Name ist Bernd das Brot!”

Nanu? Wie kommt denn Bernd das Brot in mein Ohr?

Ganz einfach: Die beliebte KIKA-Figur ist der Sprecher für die Audioguide-Kinderführung. Das ist ziemlich lustig. Mama und Papa gucken ernst auf die Stadt hinaus und hören wahrscheinlich gerade tausend langweilige Einzelheiten, während ich zu cooler Bernd-Musik auf die Rampe marschiere.

Toll, jetzt kommen ja auch noch Chili das Schaf und Briegel der Busch dazu! Chili probiert gleich einmal aus, ob es ein Echo in der Kuppel gibt und jodelt. Das verspricht ja eine unterhaltsame Führung zu werden!

 

Aber ich soll ja auch etwas lernen - also gut zuhören. Folgendes erfahre ich über den Reichstag:

Das Reichstagsgebäude ist schon über 100 Jahre alt. Wir schauen im Internet nach: Da gab es in Deutschland noch einen Kaiser, Wilhelm II.. Aber eben auch ein Parlament dazu. Das konnte der Kaiser nicht besonders gut leiden, weil es ihm ständig in seine Politik reinredete. Deshalb nannte er den Reichstag "Reichsaffenhaus" - und der Architekt Paul Wallot bekam zur Einweihung nicht einmal den üblichen Orden.

Im Nationalsozialismus wurde es sogar noch schlimmer: Da legte ein Brandstifter Feuer im Reichstag, und der Plenarsaal brannte völlig aus.

Bis heute ist der Tathergang nicht ganz geklärt.

Mit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg kam die Mauer einmal quer durch Deutschland und Berlin, und der stark beschädigte Reichstag an der Grenze wartete lange auf seine Renovierung. Und dann stand er doch plötzlich wieder ganz im Mittelpunkt: Nach der Wiedervereinigung sollte Berlin die gemeinsame Hauptstadt von Ost und West werden. Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude verhüllte das Gebäude noch schnell mit Tüchern - dann war es plötzlich das gesamtdeutsche Parlament, gekrönt von der berühmten Kuppel, in der ich gerade mit meinen Eltern stehe.

Seht ihr über uns die Inschrift "Dem Deutschen Volke"? Der Kaiser wollte davon nichts wissen - und so wurde sie erst 20 Jahre nach der Einweihung angebracht. Noch mehr über den eigenwilligen Kaiser erfahrt ihr in unserer Story über die Schlösser von Potsdam.

Wir sind inzwischen ein wenig höher gegangen in der Kuppel und blicken auf Berlin herunter. Ganz schön viele Dächer und Lichter! Das ist schon beeindruckend. Außerdem gibt es in der Scheibe eine spannende Spiegelung mit der Säule in der Mitte der Kuppel.


 

Wie wird man eigentlich Bundeskanzler?

Briegel der Busch kennt sich gut aus: "Politik braucht viel Platz", erklärt er. Die politischen Gebäude rund um den Deutschen Bundestag nehmen so viel Fläche ein wie 30 Fußballplätze. Das sind 220.000 Quadratmeter.

Ein paar Schritte weiter weiß ich dann auch, wie man Bundeskanzler oder -kanzlerin wird. Die Abgeordneten dürfen entscheiden. Und die wiederum müssen auch erst einmal gewählt werden. Das Volk entscheidet - das nennt man Demokratie. Aber ob ich wirklich Politiker werden will? Das scheint mir ein ziemlich anstrengender Job zu sein. Außerdem sehen die blauen Sitze da unten im Plenarsaal nicht wirklich bequem aus ... Vielleicht kennt sich ja jemand aus damit und kann mir in die Kommentare schreiben, wie es sich dort sitzt?

 

Ganz oben ist es ziemlich frisch.

Ich stelle fest: Die Kuppel ist ja oben offen!

Vergessen zuzumachen?!?

Nein, natürlich nicht: Die offene Kuppel dient zur Belüftung. Weil die Abgeordneten so viel reden und denken müssen, brauchen sie besonders viel Sauerstoff. Das Regenwasser wird in einem Trichter aufgefangen, damit sie beim Politik machen nicht nass werden.

Noch ein paar Zahlen gefällig?

Dann mal gut aufgepasst: Die Kuppel ist 40 Meter im Durchmesser breit, so viel wie ein Fußballfeld. Die Höhe beträgt 23 Meter. Und jetzt das Gewicht: 1200 Tonnen, so viel wie 480 Elefanten, wiegt das Material. 3000 Quadratmeter Glas sind hier verbaut.

Jetzt sehe ich den Reichstag mit ganz anderen Augen! Wer hätte gedacht, dass Politik so cool sein kann?!?


Entdecker-Info

Ein Besuch des Reichstages ist generell nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Das geht am besten online auf der Homepage des Deutschen Bundestages. Wer sich anmelden möchte, muss Name, Vorname und Geburtsdatum angeben.
Die Kuppel ist täglich von 8 bis 24 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist um 21.45 Uhr.

Entdecker-§§§

Obwohl wir für den vorliegenden Beitrag oder die Nennung/Verlinkung der darin vorkommenden Marken/Dienstleister/Events/Orte kein Honorar oder Vergünstigungen erhalten haben, sind wir nach aktueller deutscher Rechtsprechung gut beraten, ihn als "Werbung" zu kennzeichnen.

CJ
CJ

10 Comments

  1. Birgitta K. sagt:

    Hallo! Was für ein spannender Bericht. Ich wäre gar nicht darauf gekommen, abends eine Führung zu buchen, aber sie hat definitiv ihren Reiz. Das merke ich mir für unseren nächsten Berlin-Trip, wenn Sohnemann etwas älter ist.
    Gruß Birgitta

    • CJ sagt:

      Ganz lieben Dank! Das war auch wirklich toll! Wir hatten aber keine offizielle Führung – nur den Audioguide. Aber es gibt extra Kindertage, da ist dann alles ganz kindgerecht! Die Termine stehen auf der Homepage des Bundestages

  2. thore sagt:

    Cooler Bericht, da werde ich meiner Mannschaft mal Vorschlagen, den nächsten Städtetrip nach Berlin zu unternehmen um uns das Zentrum der Macht ebenfalls anzusehen. Ich habe den Dachgarten -Trick schon fest abgespeichert. Möge die Macht mit dir sein!

  3. Steffi sagt:

    Was für ein schöner Beitrag! Nachts in den Reichstag zu gehen ist mir als Berlinerin noch nie in den Sinn gekommen. Aber in seiner eigenen Stadt ist man ja sowieso nicht so oft unterwegs. Das wird sich aber in diesem Jahr ändern. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich im Reichstag war. Von daher wäre es mal wieder an der Zeit 🙂

    Liebe Grüße
    Steffi | Reiselust und Fernweh

    • CJ sagt:

      Liebe Steffi, das ist wirklich so: Seine eigene Stadt kennt man oft am schlechtesten! Deshalb haben wir uns neulich auch mal ein Wochenende lang unser Münster vorgenommen … und waren total überrascht darüber, wie viel wir noch nicht kannten. Der Reichstag ist echt toll – nimm‘ doch einfach mal Freunde mit, wenn die zu Besuch kommen. Dann haben alle was davon! Ganz liebe Grüße!

  4. Isabel sagt:

    Hallo ihr beiden,
    das klingt ja nach einem sehr spannenden Erlebnis!
    Ich bin gespannt, ob meine Tochter auch Lust dazu hätte!

    Liebe Grüße und tausend Dank für die Teilnahme an meiner Blogparade!

    Isabel

    • CJ sagt:

      Liebe Isabel,
      wie alt ist denn Deine Tochter? Mir hat das richtig viel Spaß gemacht, und es war spannend und gleichzeitig lustig.
      Und man hat einen tollen Blick über Berlin!
      Aber wenn ihr im Winter dort seid, solltet ihr euch warm anziehen – es ist echt kalt!
      Danke, dass wir mitmachen durften!
      LG!
      CJ

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