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Tarragona und die Römer: Ave Claudius!

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Tarragona und die Römer?

Wer hätte das gedacht? Tarragona in der spanischen Region Katalonien war zeitweilig die Hauptstadt des römischen Imperiums!

Warum? Die Entdecker haben sich auf eine Zeitreise begeben und nehmen euch 2000 Jahre mit zurück in die Antike – direkt in den Circus des damaligen Tarraco!

Einmal bitte die Augen schließen und die Fantasie einschalten: Diese Trümmer sind Überbleibsel der einst stolzen Wagenrennbahn von Tarragona.

Der Circus ist nicht die einzige Hinterlassenschaft: Das Amphitheater mit dem atemberaubenden Blick über das Mittelmeer ist besser erhalten.


Wagenlenker Fuscus greift beherzt in die Zügel - die Menge jubelt.

Ein kritischer Blick auf den Konkurrenten: Der bekannte Wagenlenker Fuscus greift beherzt nach den Zügeln. Seine hervorragend ausgebildeten Pferde reagieren auf das kleinste Signal und lenken sofort ein. Mit dem gewagten Manöver schneidet Fuscus seinem Verfolger den Weg ab und setzt sich an die Spitze. Die Menge jubelt.

Am Ende rauscht seine Quadriga mit zwei Wagenlängen Vorsprung unter dem ohrenbetäubenden Lärm von 25.000 Zuschauern durchs Ziel. An diesem Tag wird der Wagenlenker einmal mehr mit Ruhm überschüttet – aber auch mit Sesterzen. Der Kaiser nickt wohlgefällig: Das Spektakel ist ganz nach seinem Geschmack ...

 
 

Die Modelle im Museum zeigen sehr gut, wie Tarragona als römische Stadt angelegt war. Das Amphitheater lag etwas außerhalb der Kernstadt.

Über allem thronte der Augustus-Tempel. Von dort aus erstreckte sich die Stadt den Hang hinunter bis zum Hafen.

 

Zurück in die Gegenwart. Aus Tarraco wird mit einem Fingerschnipsen wieder Tarragona.

Gästeführer Bruno van Maurik hat zu dem Historienfilm im Kopf die passenden Zahlen und Erklärungen parat. „Der Circus – also die Wagenrennbahn – fasste bis zu 30.000 Zuschauer“, erklärt er beim Rundgang durch die heute katalonische Stadt.

Etwas kleiner, aber dennoch beeindruckend war das Amphitheater: „Hier fanden 12.000 bis 14.000 Zuschauer Platz“, zeigt er auf die gut erhaltenen Tribünen, hinter denen das Mittelmeer funkelt. Zwei steinerne Überreste, die in ihren gewaltigen Ausmaßen davon zeugen, dass Tarragona einst eine herausragende Rolle spielte im Römischen Reich.

„Das stimmt“, bestätigt der Guide. Unter dem Namen „Tarraco“ war Tarragona die erste römische Stadt außerhalb Italiens. Von 27 bis 25 v. Chr. regierte Kaiser Augustus von hier aus sogar sein Imperium. Amphitheater, Circus, Forum, Tempel, Militärlager und eine mächtige Stadtmauer: Tarraco hatte alles, was eine römische Metropole braucht.

 

Hannibal ist Schuld!

Wie kam es zu dieser herausragenden Stellung Tarragonas? Die Lösung findet sich im Geschichtsbuch unter dem Stichwort „Punische Kriege“, in diesem Fall der „Zweite Punische Krieg“. Im Ersten Punischen Krieg hatte Karthago große Teile Siziliens und später auch Sardiniens und Korsikas an Rom verloren. Zum Ausgleich hatten sich die Karthager auf der iberischen Halbinsel ausgebreitet. Von hier aus zog der karthagische Feldherr Hannibal 218 v. Chr. mit einem gewaltigen Heer inklusive 37 Elefanten über die Alpen Richtung Rom. „Und brachte die Römer an den Rand einer Niederlage“, schildert Bruno van Maurik die geschichtlichen Fakten.

Also war Handeln geboten. „Um den Karthagern den Nachschub abzuschneiden, richteten die Römer an dieser Stelle eine befestigte Siedlung – ein Oppidum – ein“, erzählt von Maurik. Die strategischen Vorteile: „Freie Sicht über die ganze Ebene und ein Hafen, von dem aus die Truppen in nur zehn Tagesreisen nach Rom gelangen konnten.“ Am Ende gingen die Römer siegreich aus dem Krieg gegen Karthago hervor. Doch es folgten neue Konflikte. Tarragona beziehungsweise Tarraco blieb ein wichtiger Verteidigungsposten des Reiches. Schutz bot die mächtige Stadtmauer, die heute noch zu rund einem Drittel erhalten ist. Im Laufe der Zeit wuchs sie auf imposante zwölf Meter Höhe und sechs bis sieben Meter Breite.


Im Jahr 27 vor Christi reiste Kaiser Augustus nach Tarragona.

Eigentlich wollte der römische Kaiser die Feldzüge in Kantabrien beaufsichtigen. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit zog er es aber vor, in der antiken Metropole zu bleiben, die neben Schutz auch allerlei Annehmlichkeiten bereit hielt.

Drei Jahre lang sollte der später zum Gott erklärte Kaiser von Tarraco aus sein Reich verwalten – eine Blütezeit für das heutige Tarragona, das zur reichsten Hafenstadt an der ganzen Küste wurde. Auf den Ruinen des ehemaligen Augustus-Tempels thront heute stolz die imposante Kathedrale über der Stadt. „Die Ausgrabungen reichen bis in vier Meter Tiefe“, erklärt van Maurik.

 

Fundgrube für Archäologen.

Auch am Standort des ehemaligen Circus auf der dritten Terrasse haben die Archäologen reiche Beute gemacht. Einige Teile der südlichen Fassade sind sehr gut erhalten. In einem Keller-Restaurant zeigt uns der Guide Reste der römischen Gewölbe. Wer dort bei Tapas und Wein sitzt, kann sich einbilden, über sich das Rattern der Quadrigen und den Jubel der Zuschauer zu hören …

Das bringt uns zurück zu unserem Wagenlenker Fuscus im römischen Tarraco.

Ob an jenem Tag wohl auch ein gewisser Eutyches auf den Rängen saß und sein Idol beobachtete? Fest steht: Beiden Wagenlenkern sind Grabsteine auf dem römischen Friedhof der Stadt gewidmet – aber der des Eutyches hat aufgrund seiner poetischen Inschrift besonders viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Gestiftet haben ihn Flavius Rufanus und Sempronia Diofanis, die stolzen „Besitzer“ des Wagenlenkers. „Damals war es tatsächlich eine große Ehre, einen bekannten Athleten sein Eigentum zu nennen“, bestätigt Bruno van Maurik angesichts unserer ungläubigen Blicke. „Die Sklaven wurden schon als Kinder gekauft und für viel Geld ausgebildet.“ Bei der Gelegenheit räumt er gleich noch mit einem weiteren Hollywood-Klischee auf: Todesurteile per Daumen für die Gladiatoren? „Quatsch!“, sagt van Maurik. „Diese wertvollen Kämpfer wurden in der Arena natürlich nicht einfach so geopfert. Blut floss meist nur bei den eh schon zu Tode Verurteilten.“

Unser Wagenlenker Eutyches allerdings entkam dem frühzeitigen Tod nicht – eine unbekannte Krankheit raffte ihn bereits mit 22 Jahren dahin, bevor er jemals die Gelegenheit bekam, mit vier statt nur zwei Pferden durch die Arena von Tarragona zu jagen. Auf seinem Grabstein drücken die Besitzer ihr Bedauern aus:

„In diesem Grab ruhen die Knochen eines noch unerfahrenen Wagenlenkers – aber einer der wusste, wie man mit den Zügeln umgeht.“
 
 

Entdecker-Info

Natur, Erholung, Sport: Die Costa Daurada ist ein in jeder Hinsicht lohnendes Urlaubsziel.

Vor allem aber Kulturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Zwei Anregungen bieten die Glühbirnen-Links:

Entdecker-Tipp

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Entdecker-Dank

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Unser Entdecker-Dank geht an das Catalan Tourist Board, das diese Entdecker-Story im Rahmen einer gesponserten Recherchereise ermöglicht hat.
Unsere Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.

10 Comments

  1. Ihr schafft es einfach immer, selbst trockene Geschichte spannend und amüsant zu verpacken! Ich bin ein ganz großer Fan von euch beiden und Chapeaux, was ihr schon alles erlebt habt!
    Danke für die unterhaltsame Geschichtsstunde, wieder etwas dazugelernt!
    Lieben Gruß
    Charnette

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Charlotte,
      ich werde immer ganz rot bei Deinen Komplimenten! Vielen lieben Dank dafür!!!!!! Immerhin ist Schreiben (und regelmäßig in Kombination mit Reisen) mein Beruf – wenn in den Kommentaren nur irritierte Nachfragen kämen, wäre ich schon verunsichert … 🙂 Dafür müssen wir in anderen Bereichen noch viel lernen – aber kommt Zeit, kommt auch perfekter Blog!
      Ich grüße Dich ganz herzlich aus dem Münsterland und wünsche Dir einen wunderbaren Restsonntag!
      Ines-Bianca

  2. Barbara sagt:

    Hallo Entdecker,
    in Tarragona war ich auch schon! Die Stadt ist ja auch mit dem Auto oder mit dem Wohnwagen von Süddeutschland gut zu erreichen und nicht weit von der so beliebten Costa Brava oder der Costa del Azahar (die ich schön finde) entfernt und ideal für einen Tagesausflug geeignet. Ich finde es eh spannend, wie sich um das Mittelmeer herum die römische Geschichte fast erleben lässt. Die Punischen Kriege habe ich noch gut in Erinnerung und persönlich vor Ort zu sein ist doch eindrucksvoller als der Geschichtsunterricht! Danke für die Auffrischung – Tarragona wäre mal wieder einen Besuch wert. Mein letzter ist schon ewig her.
    In der Nähe von Karthago findet man übrigens auch alte Steine von dort, die in Häuser oder in Gärten verbaut wurden. 😉
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Barbara,
      ich habe mich total gefreut, dass ich die Möglichkeit hatte, die Stadt kennen zu lernen – eigentlich waren an dem Tag sportliche Aktivitäten auf dem Wasser vorgesehen, aber das Meer war einfach zu stürmisch! So gab’s statt dessen eine Geschichtsstunde, die ich total genossen habe! (Du kennst mich ja inzwischen ein wenig …) 🙂
      Interessant ist, dass wir vor einiger Zeit auch schon das frühere Karthago besucht haben; so langsam wird die Geschichte also rund! Ich finde das auch so faszinierend, die Orte aus den Geschichtsbüchern live unter die Lupe zu nehmen.
      Wenn Du das nächste Mal nach Tarragona kommst, probiere doch einmal die augmented reality App aus, die ich am Ende empfohlen habe – das ist echt ein Kick fürs Vorstellungsvermögen, wenn die Streitwagen auf Dich zugesaust kommen!
      Ganz liebe Grüße!
      Ines-Bianca

  3. Anne sagt:

    Liebe Ines-Bianca,

    bei dir und deinem unverkennbaren Schreibstil bin ich immer sofort am Ort des Geschehens. Du verbindest so wunderbar Geschichte und Gegenwart. Wirklich grandios.
    Liebe Grüße
    Anne

    • Ines-Bianca sagt:

      Liebe Anne,
      noch so ein tolles Kompliment! Abe rich kann gar nix dafür – meine Fantasie legt immer sofort los, wenn ich irgendwo einen alten Steinhaufen sehe … 😉
      Auf jeden Fall ist die Stadt wunderbar und immer einen Besuch wert!
      Liebe Grüße zurück!
      Ines-Bianca

  4. Hallo liebe Entdecker-Familie,
    ein super spannender Beitrag! Das wusste ich noch nicht, danke für diese spannende Geschichte 🙂
    Liebe Grüße
    Ines und Thomas

    • Ines-Bianca sagt:

      Ihr Lieben,
      bei Römern sind wir natürlich immer ganz vorn dabei! 🙂
      Ich wusste allerdings vorher auch nicht allzu viel über die nahezu spektakuläre römische Vergangenheit Tarragonas. Ich hatte das eher aus Mittelalter-Romanen im Kopf und stand dann sehr überrascht vor Amphitheater und Circus. 🙂
      Wie schön, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt!
      Liebe Grüße!
      Ines-Bianca

  5. Julie sagt:

    Sehr cooler Beitrag! Da hab ich ja wieder einiges gelernt. Kannte Tarragona zuvor nämlich gar nicht. Danke dafür!
    Liebe Grüße
    Julie

    • Ines-Bianca sagt:

      Libe Julie,
      vielen Dank!
      Tarragona war tatsächlich auch eine der ganz großen Überraschungen an der Costa Daurada.
      Tatsächlich war es ein Zufall, dass wir dort gelandet sind. Eigentlich war Wassersport angedacht – aber das Mittelmeer war einfach zu stürmisch an dem Tag! 🙂
      Was für ein Glück!
      Ganz liebe Grüße,
      Ines-Bianca

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