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Wie kommt der Riesling in die Pastete?

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Wer nach Luxemburg kommt, sollte eine Spezialität auf keinen Fall verpassen: die Rieslingspaschtéit – Rieslingspastete.

Aber wie kommt der Riesling in die Pastete? Verantwortlich dafür sind ein trinkfreudiger Stammtisch und ein erfindungsreicher Großvater, wie Guillaume Kaempff vom Feinkostgeschäft Kaempff-Kohler uns erzählt hat.

Die Geburtsstunde der Rieslingpastete geht auf das Jahr 1928 zurück. Guillaume Kaempffs Großvater Pierre war nach der Ausbildung zum Konditormeister in Zürich bei Sprüngli mit seiner Frau Marguerite Kohler nach Luxemburg zurückgekehrt und hatte sich mit seiner Bäckerei und Konditorei schnell einen Namen gemacht. „Regelmäßig traf er sich mit guten Freunden auf ein Gläschen Luxemburger Wein“, erzählt Guillaume Kaempff die Geschichte des Erfolges. Und weil es meist nicht bei einem Glas blieb, fragten ihn die Geschäfts- und Handwerks-Kollegen eines Tages:

„Was hältst du davon, wenn du dir mal einen kleinen Imbiss für uns ausdenkst – quasi als Grundlage für den Wein?“
Das ließ sich der Konditormeister nicht zweimal sagen.

Natürlich sollte es etwas Besonderes sein, das war er seinem Stand schuldig. Eine herzhafte Pastete schwebte ihm vor. Schnell hatte er eine passende Mischung aus Gewürzen, Kalbs- und Schweinefleisch entwickelt, die er 48 Stunden in Riesling marinierte. Nur die Teighülle machte anfangs Schwierigkeiten, weil sie beim Backvorgang aufplatzte. Aber auch hierfür fand sich eine Lösung: Eine Art „Kamin“ aus Teig diente fortan als „Abzug“.

Und wie kam die Nascherei zum Wein an? „Von Anfang an stieß die Rieslingpastete auf große Begeisterung“, weiß Guillaume Kaempff. „Sie durfte bei keinem Stammtisch mehr fehlen – und heute ist sie eine der größten Spezialitäten im ganzen Land!“

Auch in seinem Laden am Place Guillaume – seinen Vornamen haben seine Eltern ganz bewusst ausgewählt – ist sie der meistverkaufte Artikel. „Hier gehen täglich zwischen 800 und 1200 Pasteten über die Ladentheke“, bestätigt der Luxemburger, der selbst vom Fach ist: „Meine Lehre habe ich bei Feinkost Käfer in München gemacht“, erinnert er sich gern an diese Zeit.

 

"Hier gehen täglich zwischen 800 und 1200 Pasteten über die Ladentheke."

So erfolgreich ist die vom Großvater entwickelte Spezialität, dass Kaempff seinen Betrieb inzwischen erweitert hat. Seit 2002 läuft die Produktion auf 2000 Quadratmetern vor den Toren der Stadt, das Traditionsgeschäft am Place Guillaume ist „nur noch“ Verkaufsstelle. Neben den Pasteten ist das Feinkostgeschäft vor allem ein Anlaufpunkt für Käseliebhaber. „Wir haben über 250 Käsesorten aus ganz Europa im Angebot“, bestätigt der 60-Jährige.

Was ihn besonders freut: Auch sein 22-jähriger Sohn ist inzwischen ins Geschäft eingestiegen. „Die Tradition geht also weiter“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Eines ist sicher: Die Rieslingpastete wird so schnell nicht aus der Mode kommen. In den 80er Jahren habe die Familie versucht, das Rezept abzuwandeln und eine Pastete mit Pinot Noir zu entwickeln. Die Kunden blieben aber dem Traditionsprodukt treu, erzählt Guillaume Kaempff. „Wir verkaufen nur ungefähr 20 Prozent Pasteten mit Pinot Noir, den Löwenanteil macht nach wie vor die klassische Rieslingpastete aus.“

Sie hat sich halt über fast 100 Jahre bewährt – die Stammtisch-Delikatesse als Wein-Grundlage …

Die Rieslingpaschtéit ist DIE Spezialität Luxemburgs. Wir haben bei dem Enkel des Erfinders nachgefragt, wie der Riesling in die Pastete gekommen ist.

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Entdecker-Tipp

Einen weiteren Entdecker-Bericht über Luxemburg, nämlich den gekonnten Brückenschlag zwischen Mittelalter und Moderne finden Reise-Fans im Online-Auftritt der Westfälischen Nachrichten.

Entdecker-Dank

Unser Entdecker-Dank geht an Visit Luxembourg, das diese Entdecker-Story im Rahmen einer gesponserten Recherchereise ermöglicht hat.

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