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Reinhard Mäurer ist ein Lügner. Und er hat auch noch Spaß daran!

Allerdings lügt der Wahl-Aachener nicht immer. Und genau das ist das Problem! Denn jedes Mal, wenn er auf seiner Tour durch die City stehen bleibt, um eine Anekdote zu erzählen, sind seine Gäste gefragt, welche Karte sie jetzt ziehen: die rote für eine faustdicke Flunkerei - oder doch die grüne für eine Geschichte, die stimmt?

Seit Mai 2017 hat der „aachen tourist service“ die so genannte "Lügenführung" im Angebot. Mäurer, Geschichtsfan und mehrfacher Buch-Autor, hat sie mitentwickelt: "Wir wollten einfach mal eine andere Form von Stadtführung ins Programm aufnehmen", schildert der freiberufliche Gästeführer.

Ein preußischer Frauenheld?

Da ist zum Beispiel die Sache mit Otto von Bismarck.

Dass der "Eiserne Kanzler" 1836 als Referendar nach Aachen kam, nimmt die Gruppe Mäurer noch ab. Aber wie ist das mit den amourösen Abenteuern, die hier angeblich ihren Anfang genommen haben sollen? Laura Russell, die Nichte des Herzogs von Cumberland, soll es Bismarck angetan haben. Aber statt dessen ließ er sich erst auf eine 36-jährige Französin ein und reiste dann mit der 17-jährigen Engländerin Isabella Loraine-Smith so lange durch Deutschland, bis er wegen Urlaubsüberschreitung seine Anstellung verlor?!? Das mag nun wirklich keiner glauben von dem preußischen Staatsmann - die roten Karten gehen in die Höhe ... und Reinhard Mäurer freut sich, dass er seine Gäste hereingelegt hat. "Doch, das ist wahr!", bestätigt er und setzt noch einen drauf. Sogar hohe Schulden habe der spätere Reichsgründer gemacht, um den Frauen zu imponieren.

Von roten und weißen Bärten

Wo Mäurer schon gerade bei mächtigen Herrschern ist, fällt ihm etwas Neues ein. Schließlich hat König Barbarossa, dessen Name "Roter Bart" bedeutet, im Aachener Dom den prächtigen Leuchter im Zentrum des Kirchenschiffs gespendet - ein willkommener Anknüpfungspunkt. "Und weil Kaiser Wilhelm später einen ähnlich langen Bart hatte wie sein Vorgänger - nur eben einen weißen - nannte man ihn Barbabianca. Wahr oder falsch?", schaut der Gästeführer verschmitzt in die Runde. Wieder herrscht Rätselraten. Ja? Nein? Vielleicht? Reinhard Mäurer löst auf: Auch das ist wahr, genauso wie die Geschichte von Lord Sandwich, der beim Kartenspielen im Kurbad Aachen sein berühmtes Sandwich erfunden haben soll, weil es sich am Spieltisch essen lässt, ohne eine Pause machen zu müssen.

Wahr oder falsch: Erfand Lord Sandwich beim Kartenspiel in Aachen das nach ihm benannte Sandwich, um keine Pause beim Spiel machen zu müssen?

 

Wogegen hat sich eigentlich der "Wehrhafte Schmied" gewehrt?

Und was ist eigentlich mit der Anekdote, die sich der Geschichtsfan zu der legendären Aachener Figur des "Wehrhaften Schmiedes" ausgedacht hat? Die wilde Geschichte rund um den Grafen von Jülich und einen Mehrfachmord klingt eigentlich ganz plausibel. Nur - bei Mäurer weiß man ja nie, haben die Teilnehmer inzwischen festgestellt.

Wer mehr dazu wissen möchte, muss die Stadtführung schon selbst buchen ...

Wie die Aachener den Teufel hereinlegten

Für alle Aachener fest gesetzt ist hingegen die Legende, die erzählt, wie der Teufel den Aachener Dom gebaut hat.

Denn die Bürger hatten nicht genug Geld für ihr Gotteshaus. Und so willigten sie freudig ein, als der Teufel sich anbot, ihnen zu helfen. Natürlich machte er das nicht uneigennützig: Die erste Seele, die nach der Fertigstellung den Dom betreten sollte, wollte er dafür.

Als nun der Tag gekommen war, an dem der Dom eingeweiht werden sollte, mochte verständlicherweise keiner der Erste sein - am allerwenigsten Karl selbst! Doch da die Aachener ja clever sind, jagten sie eine Wölfin in den Dom, die sie gefangen hatten. Der Teufel, der schon gierig auf seinen Preis gewartet hatte, stürzte sich auf das bedauernswerte Tier und riss ihm die Seele heraus. Dann erst entdeckte er seinen Irrtum.

Wutentbrannt verließ er den Dom. So ungestüm soll er dabei die massive Tür zugeschlagen haben, dass er sich seinen Daumen einklemmte. Noch heute soll der Finger im rechten Löwenkopf am Portal zu fühlen sein - und an die Wölfin erinnert eine Steinfigur im Eingangsbereich.

Glaubt ihr nicht? Na, dann schaut doch einfach mal nach, wenn ihr euch traut!


Entdecker-Tipp

Eine Sehenswürdigkeit etwas abseits der City ist der Bismarckturm am Waldfriedhof. Das 27 Meter hohe Bauwerk, das 1907 eingeweiht wurde, bietet einen tollen Blick auf die Stadt.

Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, den Schlüssel gibt es beim Pförtner am Haupteingang zum Waldfriedhof.

 

Entdecker-§§§

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2 Kommentare

  1. So unterhaltsam geschrieben, liebe Ines-Bianca! Also ich wäre sofort dabei bei einer Lügenführung;)
    Liebe Grüße,
    Rosi

    • Ines-Bianca sagt:

      Vielen Dank, liebe Rosi! Wir finden Stadtführungen klasse, weil man doch viele kleine Details erfährt, die einem ansonsten verborgen bleiben. Treiben lassen und Menschen begucken kann man ja vorher oder nachher immer noch ausgiebig! 🙂

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