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Um Spielgefährten musste sich Ambrogio Fasola nie Gedanken machen: „Das Haus war immer voll!“, berichtet der sympathische Italiener und grinst von einem Ohr zum anderen.

Kein Wunder, denn Ambriogios Familie ist seit 166 Jahren Inhaber einer Manufaktur, die sich mit Leib und Seele einer ganz besonderen Leckerei verschrieben hat: In der Biscotteria Camporelli entstehen die berühmten "Biscottini di Novara".

Das Gebäck ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Ausschließlich aus den drei Zutaten Mehl, Eier und Zucker bestehend, war es ursprünglich eine Ostergabe der Klöster in der Region an den Papst. „Wegen der langen Fahrt nach Rom brauchte man ein haltbares Produkt“, schildert Fasola. Und genau das sind die Biscottini aufgrund ihres Herstellungsverfahrens. Das Geheimnis: „Sie werden sozusagen zweimal gebacken“, schildert Fasola, woher auch der Name des Gebäcks stammt. Nach dem normalen Backvorgang auf einer Temperatur von 295 Grad Celsius folgt noch eine zweite Runde, um die letzte Feuchtigkeit zu vertreiben. Früher wurden die Gebäckstücke, die Löffelbuskuit ähneln, dafür auf dem Ofen gelagert – heute erledigt das ein Heißluftverfahren bei 90 Grad Celsius etwas schneller.

Die 18 Mitarbeiter von Ambrogio Fasola sind nahezu rund um die Uhr damit beschäftigt, die bekannte Leckerei herzustellen. 100.000 Stück entstehen täglich in der Backstube in Novara nach nahezu unverändertem Originalrezept.


„Wegen der langen Fahrt nach Rom brauchte man ein haltbares Produkt.”

Trotzdem hält sich die Biscotteria Camporelli noch weitgehend an die originale Zubereitungsart. Und auch die Backformen sind noch die gleichen wie vor Hunderten von Jahren: „Das ist weltweit einzigartig“, ist der Keksbäcker stolz auf seinen Traditionsbetrieb.

Dafür schlagen die 18 Mitarbeiter zum Beispiel jeden Tag 1440 Eier per Hand auf. Das Ergebnis: „100.000 Biscottini – genau so viele, wie die Stadt Einwohner hat“, sagt Ambrogio Fasola und liefert gleich noch den Grund dazu, warum das Gebäck so reißenden Absatz findet: „Für viele Menschen ist das nicht einfach nur eine Süßigkeit, sondern ein Nahrungsmittel.“

 

Lieber Biscottini als Brot!

Dass die Tradition überdauert hat, ist dabei keineswegs selbstverständlich: Während der napoleonischen Besatzungszeit wurden viele Klöster geschlossen, die Produktion schlief ein. „Aber Anfang des 19. Jahrhunderts kam der wirtschaftliche Aufschwung, und der Adel und das gehobene Bürgertum entdeckten die Biscottini für sich“, kennt Fasola die Geschichte genau. „Sie fanden das Gebäck so delizioso, dass sie es nicht nur zu Ostern genießen wollten, sondern täglich. Seitdem haben die Biscottini für manche Menschen einen ähnlichen Stellenwert wie Brot.“

Viel Arbeit - wenig Verdienst

Die Manufakturen erlebten folgerichtig einen regelrechten Boom und machten Novara zum Zentrum der Leckerei. Vorübergehend zumindest. Denn auch an der Keksproduktion ging das industrielle Zeitalter nicht vorbei, immer mehr kleinere Betriebe schlossen im Verlauf der vergangenen 100 Jahre. Die Biscotteria Camporelli existiert seit 1852 durchgängig und ist damit der älteste Betrieb seiner Art. „Viele sind nicht mehr übrig“, ergänzt der italienische Feinbäcker, „man arbeitet viel und verdient wenig“.

Trotzdem könnte er sich keinen Beruf vorstellen, den er lieber betreiben würde – nicht nur wegen der vielen Schulfreunde, die die Biskuits im Laufe der Jahre angelockt haben. Ambrogio Fasola lächelt noch einmal von einem Ohr zum anderen und gibt dann zu:

 

„Ich bin einfach selbst ein Leckermaul!”


Entdecker-Tipp

Das Piemont hat noch viel mehr Köstlichkeiten zu bieten als Gebäck! Einen weiteren Entdecker-Bericht über den Reisanbau - finden Reise-Fans im Online-Auftritt der Westfälischen Nachrichten.
 

Entdecker-Dank

Unser Entdecker-Dank geht an die Touristik-Agentur der Region Novara, die diese Entdecker-Story im Rahmen einer gesponserten Pressereise ermöglicht hat.
 

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