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Carl der Kleine trifft Karl den Großen

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Wo sind denn plötzlich alle hin?!? Da stehe ich nun, ganz allein im Aachener Dom vor dem Thron von Karl dem Großen!

Eigentlich wollte ich doch nur die Kirchenmaus suchen. Keine echte natürlich, sondern eine gemalte oder geschnitzte oder gemeißelte Maus, die ein Domhandwerker hier aus Spaß irgendwo beim Bau versteckt haben soll. Darüber hab' ich wohl meine Gruppe verloren, oje!

Jetzt aber los: Mama, Papa und die anderen wiederfinden! Doch plötzlich höre ich eine tiefe, dumpfe Stimme aus Richtung Thron. Spricht der etwa zu mir?!? Tatsächlich! „Bist du Carl der Kleine?“, fragt mich das Gebilde aus Stein. „Ja“, sage ich etwas schüchtern. „Das ist ein ganz besonderer Name – zumindest an diesem Ort“, freut sich der Thron. „Wenn Du magst, erzähle ich Dir etwas über mich und Karl den Großen, nach dem Du benannt bist.“

Gruppe hin oder her – so eine Geschichte lasse ich mir natürlich nicht entgehen!

„Bist du der kleine Carl? Das ist ein ganz besonderer Name - zumindest an diesem Ort.”

„Dann hör' jetzt mal gut zu“, sagt der Thron. „Vor fast 1300 Jahren wurde ein ganz besonderer Mensch geboren, der später einmal als Carolus Magnus berühmt werden sollte. Das ist Lateinisch und bedeutet Karl der Große.“

„War der denn tatsächlich so groß?“, frage ich.

„Schau' Dich mal um“, sagt der Thron, „ganz da hinten, in der angebauten Kapelle siehst Du zwei goldene Schreine. In dem vorderen sind Heilige Gewänder – in dem anderen die Gebeine von Karl. Und Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Mann, der dort bestattet ist, für die damalige Zeit wirklich sehr groß war, nämlich 1,84 Meter. Aber der Name bedeutet eigentlich etwas anderes: nämlich, dass Karl der Große in seinem Leben Großes vollbracht hat!“

„Was denn überhaupt?“, will ich wissen.

 

Der Thron holt tief Luft und legt los:

„Naja, Du bist ja noch recht noch klein – wahrscheinlich nennt man Dich deswegen Carl den Kleinen – und hast das bestimmt noch nicht in der Schule gehabt. Dann will ICH Dir mal erzählen, was Karl alles geschafft hat. Als junger Mann ist er erst einmal König von Franken geworden. Aber das hat ihm noch lange nicht gereicht! Er wollte nämlich Kaiser werden, das ist sozusagen der Oberkönig.“

„Und hat er das geschafft?“, frage ich neugierig.

„Logo“, bestätigt der Thron und klingt dabei ganz stolz. „Im Jahr 800 hat der Papst Karl zum Kaiser gekrönt. In Rom.“


 

Von wegen Graffiti!

„In Rom?!?“, frage ich und versuche, nicht allzu enttäuscht zu klingen. „Dann kann er ja gar nicht auf Dir gesessen haben.“

Der Thron räuspert sich und klingt ein bisschen beleidigt, als er weiterspricht. „Für so einen kleinen Carl bist Du aber ganz schön vorlaut“, schmollt er. „Wenn Du wüsstest, was ich schon alles erlebt habe! Schau' einmal auf meine rechte Seite – was siehst Du da?“

Ich schaue genau hin und entdecke – tatsächlich! – ein Mühle-Spielfeld in dem abgewetzten Marmor. „Uiii, ein Graffiti!“, rufe ich.

Natürlich ist der Thron direkt wieder eingeschnappt. „Graffiti, von wegen!“, motzt er. „Das haben römische Legionäre eingeritzt. Ich war nämlich einmal eine Bodenplatte in der Grabeskirche in Jerusalem! Naaaa, bist Du jetzt beeindruckt?“

Ich versuche, höflich zu sein, obwohl ich keine Ahnung habe, was genau diese Grabeskirche eigentlich ist: „Joaa, klingt ganz cool“, bestätige ich. „Was hast Du denn noch zu bieten?“

Ärger mit Napoleon

Der Thron macht mich auf seine Stufen aufmerksam: „Sechs, wie es in der Bibel bei König Salomo beschrieben ist. Und gefertigt sind sie aus antiken Säulen. Eigentlich war es sogar so, dass Jesus auf mir sitzen sollte, wenn die Welt untergeht und der Heiland aussuchen darf, welche 144 Menschen ins Himmelreich einziehen dürfen.“

Das klingt ja nun ziemlich spektakulär, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Thron ein bisschen angibt. „Die Welt ist noch nicht untergegangen“, wage ich zu sagen. „Hat denn sonst jemand Berühmtes auf Dir gesessen?“

Inzwischen klingt der Thron doch etwas ungeduldiger: „Also, das musst Du aber wissen! Karl der Große ist hier vielleicht nicht gekrönt worden – aber später war er natürlich hier zur Heiligen Messe. Und dann, nach seinem Tod, wurde ich plötzlich richtig wichtig! Von 936 bis 1531 wurden mehr als 30 deutsche Könige auf mir gekrönt! Das ganze Reich sprach über mich! Aber dann wurden die Zeiten schlechter. Der olle Napoleon hat mir doch glatt eine Marmorplatte am Rücken geklaut. Und im Zweiten Weltkrieg hat mir das Löschwasser in einer Bombennacht hässliche Flecken zugefügt!“

Nun jammert der Thron mir aber doch ein bisschen zu viel herum. Unauffällig versuche ich, ihn zur Geschichte Karls des Großen zurückzubringen. Ich frage ihn nach dem Heiligen Römischen Reich, von dem ich vorhin schon zu Beginn der Führung etwas gehört habe. „Das ist also das Reich, das Karl gegründet hat – und weswegen er Karl der Große genannt wurde?“

„Die heißen Quellen haben Kaiser Karl mit seinen Gliederschmerzen richtig gut gefallen.”

Ausnahmsweise ist der Thron mal zufrieden mit mir: „Genau“, bestätigt er. „Und dieses Reich war so groß, dass Karl ständig auf Reisen war, man hat ihn auch den ,Reisekönig' genannt. Das schlaucht natürlich, die ganzen politischen Verhandlungen und kalten Nächte in einem zugigen Zelt während dieser ewigen Feldzüge. Da war der Arme heilfroh, wenn er zwischendurch einen gemütlichen Rückzugsort hatte. Und das war hier in Aachen.“

„Warum?“, hake ich nach.

„Weil Aachen nicht nur ziemlich in der Mitte des Reiches lag, sondern auch etwas ganz Besonderes zu bieten hat: die heißen Quellen. Das hat Kaiser Karl mit seinen Gliederschmerzen richtig gut gefallen. Und weil er eh schon oft und gerne hier war, hat er ja auch diese Marienkirche hier bauen lassen. Schau' Dich ruhig mal um, wie prachtvoll alles ist! Der riesengroße Leuchter von König Barbarossa, das himmlische Deckenmosaik – und hast Du eigentlich schon die Wölfin am Eingang entdeckt und den Daumen des Teufels?“

 

Das Abenteuer endet ...

Das klingt ja hochspannend! Gerade will ich weiterfragen, da kommen Mama und die Domführerin ganz aufgeregt die Treppe hoch. Sie haben mich schon gesucht!

„Da bist Du ja!“, ruft Mama erleichtert. „Was hast Du hier gemacht?“

Gerade möchte ich von dem sprechenden Thron erzählen, aber dann überlege ich es mir anders.

Die glauben mir bestimmt nicht!!!

Glaubt Ihr mir denn?!?


Wo verstecken sich denn im Aachener Dom die Kirchenmäuse? Der nette Domschweizer hat es mir gezeigt.

Entdecker-Tipp

Wenn ihr - so wie ich - die Kirchenmäuse sucht, dann geht am besten in den Anbau mit den bunten Glasfenstern. Auf der rechten Seite entdeckt ihr eine Gans, wenn ihr fleißig sucht. Und ein bisschen darüber findet ihr drei kleine weiße Mäuslein im Fensterglas! Viel Spaß!

Entdecker-§§§

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CJ
CJ

5 Kommentare

  1. Silke Kords sagt:

    Mega, CJ!

    Habe deine Geschichte mit Begeisterung gelesen!

    Werde sie Arne mal zeigen (-:
    Ich bin ein totaler Geschichtsfan!
    Und du bringst das toll rüber!

    Freu mich auf mehr Geschichten von dir!

    Shille

  2. Carl, unglaublich toll geschrieben! Ich bin ganz begeistert und freue mich auf weitere tolle Geschichten von dir!

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